Roboter greift mit Kehrschaufel
Einfache Methode zum Aufheben von Gegenständen in Tests bewährt
Testlauf: Roboter greift Schnurlostelefon (Foto: Healthcare Robotics Lab, Georgia Tech)
Atlanta (pte/13.05.2009/11:30) - US-Forscher haben einen Roboterarm entwickelt, der Gegenstände greift, indem er sie eher wie Besen und Kehrschaufel aufkehrt, als sie nach menschlichem Vorbild anzufassen. Dennoch konnte der Endeffektor in Experimenten viele alltägliche Objekte von Schlüsseln über Fernbedienungen und Zahnpastatuben bis hin zu Geldscheinen zuverlässig vom Boden aufheben. “Wir haben gezeigt, dass unser vergleichsweise billiger Endeffektor Objekte greifen kann, mit denen teurere Systeme Schwierigkeiten haben”, meint Charlie Kemp, Direktor des Healthcare Robotics Lab http://healthcare-robotics.com am Georgia Institute of Technology, gegenüber pressetext. Der einfache Greifer könnte beispielsweise bei Robotern, die Personen mit Bewegungseinschränkungen im Haushalt helfen sollen, zum Einsatz kommen.
Der Ansatz von Kemps Team nutzt aus, dass Böden in Innenräumen im Allgemeinen sehr flach sind. Ihr Greifarm umfasst ein leicht schräg gehaltenes Schaufelelement, das unter einen aufzuhebenden Gegenstand geschoben wird, während ein einzelner Finger das Objekt auf die “Handfläche” kehrt, um es aufzuheben. Auf komplexe Modellierungen der zu greifenden Objekte oder aufwändige Sensorik wird verzichtet. In einer Testreihe mit 34 verschiedenen Gegenständen in unterschiedlichen Positionen auf Fliesen-, Holz- und zwei Arten Teppichboden hat es das einfache System auf 95 Prozent Erfolgsrate gebracht. “Das zeigt, dass scheinbar komplexe Aufgaben keine komplexen Mechanismen und Berechnungen erfordern müssen”, betont Kemp gegenüber pressetext. Das schlägt sich im Preis nieder. “Manche fingerfertige Roboterhände für die Forschung kosten zehntausende Dollar, während industrielle Greifer auf hunderte Dollar kommen”, sagt der Wissenschaftler. Zwar könne er nicht genau abschätzen, wie viel die eigene Lösung bei Massenfertigung kosten würde, doch seien weniger als 100 Dollar plausibel.
Der Greifer ist auf einem iRobot Create - einem Forschungsgerät, der dem Staubsauger-Roboter Roomba ähnelt - angebracht und wäre seinerseits gerade für Haushaltsassistenz-Anwendungen interessant. “Gegenstände wie Fernbedienungen aufzuheben, würde bewegungseingeschränkten Personen helfen”, erklärt Kemp. Das habe sich in einer Studie mit ALS-Patienten (Amytrophe Lateralsklerose) gezeigt. Bislang hat das Forscherteam nur gezeigt, dass der Greifer Objekte heben kann. “In Zukunft wäre denkbar, dass der Roboter ferngesteuert wird und durch den simplen Endeffektor auch die Fernbedienung einfach bleiben kann”, meint Kemp. Er verweist etwa auf die Idee einer Laserpointer-Steuerung, wie sie sein Team bereits vorgestellt hat (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/080320020/ ). Auch hat sein Team bereits Ideen, wie der Greifer noch zuverlässiger gemacht werden kann. So soll die nächste Version die Neigung des Schaufelelements variieren können, um ein Herunterkippen aufgehobener Gegenstände zu vermeiden.
Manche Ergebnisse aus der Robotik-Forschung sind Jahrzehnte von der praktischen Umsetzung entfernt. Kemp beispielsweise geht bei manchen Entwicklungen aus dem Healthcare Robotics Lab von zehn bis 20 Jahren bis zur kommerziellen Verwertung aus. “Was wir bei diesem Endeffektor gelernt haben, hat das Potenzial deutlich früher bereit zu sein”, ist der Wissenschaftler überzeugt. Ein denkbares Beispiel wäre, den Roomba-Roboter über das Staubsaugen hinaus wachsen zu lassen. “Ein Roomba-artiger Roboter, der Objekte vom Boden aufheben und zu Personen bringen kann, könnte sich als wertvoll für die Anwender erweisen”, meint Kemp. Ein semi-autonomer Betrieb eines solchen Roboters sei wohl relativ kurzfristig realisierbar. “Der Nutzer würde den Roboter - möglicherweise mithilfe einer Kamera - vor ein fallengelassenes Objekt steuern und dann einen ‘Objekt greifen’-Knopf drücken”, beschreibt der Wissenschaftler einen möglichen Ansatz. Ob dieser wirklich praktikabel sei, müsse aber erst untersucht werden. Langfristiger wären auch vollautonome Umsetzungen vorstellbar. (Ende)
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