Weniger Wettbewerb: Sunrise schluckt Tele2
Schweizer Handy-Gespräche deutlich teurer als im EU-Ausland
Zürich (pte/30.09.2008/13:50) - Sunrise, die Nummer zwei im Schweizer Mobilfunk-Markt, kauft Tele2 auf und kommt so für 50 Mio. Franken zu einer halben Million neuer Kunden. Sie schaltet damit auch gleich ihre schärfste Konkurrentin aus und schwächt den Wettbewerb ab. Dies geht könnte vor allem zu Lasten der Kunden gehen, die in der Schweiz für Handy-Gespräche weiterhin deutlich höhere Gebühren als in den umliegenden EU-Ländern berappen.
Tele2 gibt auf und verlässt die Schweiz drei Jahre nach der Deregulierung. Die Schweden sind somit das erste Liberalisierungs-Opfer im hiesigen Mobilfunkmarkt. 42 Mio. Franken investierten die Tele2-Betreiber in ihr eigenes Netz. Doch sie kamen nicht vom Fleck. Nun zahlt Sunrise umgerechnet rund 100 Franken pro Tele2-Kunde. Dabei liebäugelt der Anbieter vor allem mit den rund 300.000 Festnetzkunden, die nach dem Fall der sogenannten “letzten Meile” der Swisscom besonders interessant sind. Hinzu kommen rund 80.000 Breitbandkunden. Zusammen spielen sie den Löwenanteil des Umsatzes ein.
Nach der Übernahme gewinnt Sunrise vier Prozent Marktanteil. Dieser klettert damit auf 15 Prozent - bei den Mobilkunden sogar fast auf 20 Prozent. Doch diese fallen finanziell weniger ins Gewicht. Dafür gewinnt Sunrise aber auch noch 190 Antennenstandorte hinzu. Diese sind sehr gefragt weil nur limitiert Standorte vorhanden sind. Eine vertiefte Analyse soll das Synergiepotenzial ausleuchten, so Sunrise-Sprecher Konrad Stockar.
Eines ist jedoch gewiss: Die überteuerten Mobilfunk-Preise werden durch die Übernahme noch weniger unter Druck geraten. Die Tarife liegen noch immer weit über dem europäischen Durchschnitt. Ein günstigeres Angebot, ist allerdings auch nicht unbedingt das wichtigste Kriterium für Schweizer Konsumenten. Das musste Tele2 letztlich schmerzlich erfahren. Auch das Bundesamt hat mit dieser Fusion das Ziel eines verschärften Wettbewerbes nicht erreicht und ist mit der Deregulierung im Sinne der Konsumenten erneut gescheitert. (Ende)
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